Montag, 10. Oktober 2022

Pyronale in Hamburg

Der FCK war wieder zu Gast in Hamburch. Zwölf Jahre war ich nicht mehr im Volkspark. Es wurde wieder Zeit. Dachte sich auch das Volunteer und sperrte die A 7 und verhinderte nicht den Zugausfall am Vormittag. Immerhin rechtzeitig fuhren die Züge wieder, sodass eine Mischung aus PKW und S-Bahn eine rechtzeitige Anreise zuließ. 

Meine Freundin begleitete mich erstmals zum FCK, sodass der Gästeblock nicht in Frage kam. Nach einigen Verwirrungen im Vorfeld konnte ich dann doch noch zwei Karten im 11 C ergattern, um zumindest etwas in der Nähe der Lautrer zu sein. Anfänglich hatten wir Frrtz-Walter-Wetter in Hamburg. Naja, vielleicht auch normales hanseatisches Schietwetter, wie man es ja mittlerweile erwartet. Immerhin kamen wir dann doch noch halbwegs trocken im Volksparkstadion an.


57000 Zuschauer! Wahnsinn. Aus der dritten Liga war man so eine Masse an Leuten schon nicht mehr gewohnt. Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, endlich wieder solche Mengen an Fans zu erleben. Knapp 9000 bis 10000 FCK-Anhänger waren auch da und machten richtig Alarm. Zum Einlauf der Mannschaften gab es eine kleine Choreo, bei der aber auch wieder ordentlich gezündet wurde. Natürlich ist die Pyrotechnik schön anzuschauen. Aber auf die Strafe für Lautern kann man echt verzichten, zumal auch zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Spielunterbrechung erforderlich war. Insgesamt war es vielleicht ein bisschen zu viel, was da alles gezündet wurde. Die Stimmung selbst war aber mega geil. Das hat wirklich gefehlt in der Vergangenheit.




Das Spiel lief beinahe wie erwartet. Der HSV klar überlegen. Aber erstaunlicherweise nicht drückend. Lautern war doch sehr gut im Spiel und fängt sich dann ein unnötiges Eierding ein. Das konnte ja nicht gut enden. Und die vergebenen Chancen machten nicht wirklich Hoffnung auf mehr. Als dann in der 81. Minute auch noch auf Elfmeter für den HSV entschieden wurde, habe ich mich gedanklich schon in der S-Bahn sitzen sehen. Und dann? Dann verballert der Hamburger doch glatt und im fast direkten Gegenzug haut der FCK den Ausgleichstreffer rein. Alter, bin ich durchgedreht. Habe ich bei den Relegationsspielen gegen Dresden und beim Eröffnungsspiel gegen 96 gemerkt, dass ich doch noch mit Feuer dabei bin, so habe ich nun die Bestätigung dafür bekommen, dass ich weiterhin leidenschaftlich dabei bin. Meine Freundin schaute schon, wie sie dann unbeschadet herauskommt, wenn ich was aufs Maul bekommen habe. Doch, und das war das Traumhafte im Block, es gab außer ein paar bösen Blicken keine Feindseligkeiten. Ich hoffe, dass es zukünftige auch weiterhin so läuft.


Im Endeffekt müssen wir mit dem 1:1 beim Tabellenführer zufrieden sein. So wurde das Remis dann auch wie ein Sieg gefeiert. Doch habe ich die Befürchtung, dass uns die ganzen Unentschieden am Ende wieder das Genick brechen könnten.


Mittwoch, 8. Juni 2022

Quarantäne-Quatschen



Moin Tobse. Statt eines gemütlichen Beisammenseins müssen wir diese Saison per Videocall abschließen. Wie geht es dir?

Gehen Sie davon aus, dass es Schöneres gibt als für mindestens fünf Tage in seiner Wohnung eingesperrt zu sein. Insgesamt könnte es mir sicherlich besser gehen. Aber wir wollten ja über die Saison sprechen und nicht über Corona, auch wenn sich das wieder nicht ganz vermeiden lassen wird.

Das mache ich doch gerne und gratuliere dir ganz herzlich zum Aufstieg!

Die Glückwünsche sollten eher an die Mannschaft des FCK samt alten und neuen Trainer gehen als an mich. Mein „Anteil“, wenn man ihn den überhaupt so nennen kann, ist verschwindend gering.

Wie kommt das?

In der Vergangenheit, gerade auch während der Pandemie, hat sich meine Fußballwahrnehmung sehr verändert. Es gab die Zuschauereinschränkungen, dann wieder einen Ausschluss und danach wieder nur eine Teilzulassung von 500 bis 1000 Leuten. Um die persönliche Statistik schon einmal vorwegzunehmen: ich habe vom FCK nur das Gastspiel beim SV Meppen am zweiten Spieltag live im Stadion verfolgt. Die Stimmung war solala, der Kick ging mal wieder in die Hose und man ist gleich zu Saisonbeginn schon wieder mehr als nur bedient. Der Saisonstart der Lautrer ließ nichts Gutes erwarten oder erahnen, der Abstiegskampf war sofort wieder das alles dominierende Thema. Ich habe mir die Tabelle bewusst nicht mehr angeschaut und auch nicht alle Spiele im TV verfolgt. Umso überraschter war ich schließlich, als zwischendurch mein Blick ziemlich weit oben in der Tabelle hängen blieb auf der Suche nach dem FCK. Ich habe dann schon gehofft, dass es endlich etwas wird mit dem großen Ziel Aufstieg. Und dann werden die letzten drei Spiele wieder formidabel verkackt, sodass du in die unnötige Relegation musst. Und weil es so schön ist, wird direkt vor den entscheidenden Spielen noch der Trainer getauscht.

Wie erging es dir in der Relegation?

Bei der Relegation seinerzeit gegen Hoffenheim um den Aufstieg in die Bundesliga war ich wesentlich nervöser. Jetzt hatte ich fest mit einer Klatsche gerechnet und mich gedanklich schon auf ein weiteres Jahr Drittklassigkeit eingerichtet. Das Hinspiel gegen Dresden habe ich konsequent gemieden, das Rückspiel habe ich erst ab der zweiten Halbzeit gesehen. Da merkte ich dann aber schon, dass das Feuer doch noch in mir brennt. Ich konnte lediglich auf dem Laptop im Schlafzimmer schauen, habe da aber so viele Meter abgerissen, das eigentlich ein Trampelpfad im Laminat sichtbar sein müsste. Am Ende habe ich geschrien, geflucht und gejubelt. So wie früher.

Wurde dir Fußball so egal im Laufe der Zeit? Das kann man sich eher weniger bei dir vorstellen. Wir kommt es dazu?

Gerade in der letzten Zeit war ich vermehrt beim Eishockey unterwegs und konnte daher endlich einmal direkte Vergleiche ziehen, auch wenn man natürlich nicht alles wirklich 1 zu 1 so übernehmen kann.

Am ersten Spieltag der dritten Liga waren Katsche, Junior und ich beim TSV Havelse. Da der DFB ja auf große Stadien besteht, kamen wir uns recht verloren vor im riesigen Niedersachsenstadion. Die Zuschauerzahl hätte auch im heimischen Stadion Platz gefunden. Man merkt einfach den Unterschied, ob 3000 im Niedersachsenstadion brüllen oder nur 1000 in der zu einem Viertel gefüllten Eisarena. Es macht einfach nicht so einen Spaß, wenn die Stimmung nicht da ist. Trotz der Freude, endlich wieder ins Stadion zu dürfen. Dann bemerkte ich im Laufe der Zeit wieder die ganzen schauspielerischen Einlagen der Spieler. Man bleibt liegen, dreht sich mehrmals um die eigene Achse bis der Schiri endlich ein Einsehen hat und pfeift. Das hat mir beispielhaft in Groningen sehr gefallen, dass der Schiedsrichter immer wieder dem Spieler klar gemacht hat, dass er eben nicht pfeifen wird. Gefühlt hat dieses Getue in letzter Zeit einfach wieder Überhand genommen. Und dann kommen da noch wieder die grandiosen Fans hinzu mit ihren beschissenen Platzstürmen. Okay, sollen sie doch machen. Aber lasst doch einfach mal den Platz heile und baut die Tore nicht auseinander. Feiert lieber mit eurer Mannschaft und lasst die scheiß Provokationen sein. Beispiele? Eintracht Frankfurt fällt mir da sofort ein. Was war ich beeindruckt von der Masse an Fans in Barcelona, wahnsinnig auch die Stimmung beim Halbfinalrückspiel gegen West Ham. Mega geil, kann ich nicht anders sagen und muss ich als alter „Rivale“ neidlos anerkennen. Und dann kommt der Abpfiff und was machen viele (nicht alle!!!!) der Platzstürmer? Rennen direkt vor den Gästeblock und provozieren. Meine Fresse! Freut euch doch einfach über den Einzug ins Finale und macht so einen Quatsch nicht. Gleiches gilt auch für „Fans“ des VfB Oldenburg. Glückwunsch zum Einzug in die Dritte Liga, ohne Frage. Aber auch hier wieder direkt Richtung Gästefans. Hat man nach 25 Jahre Abstinenz vom Profifußball nicht Besseres zu tun?

Sorry, aber das Verhalten der Fans beim Feiern und von die Zeitschinderei der Spieler geht mir übelst auf den Sack, sodass ich kurz davor war, mich vom Fußball abzukehren.

Natürlich es gibt auch beim Eishockey solche Qualitätsfans, aber irgendwie bleibt es da immer noch im Rahmen. Als meine Freundin und ich im entscheidenden Viertelspiel in Wolfsburg nach der Niederlage „unserer“ Pinguins zum Auto zurückgingen, gab es keinerlei Provokation oder ähnliches. Man unterhält sich über das Spiel, wünscht sich viel Glück oder eine schöne Sommerpause und freut sich auf die nächsten Duelle.

Puh, das muss man erstmal verdauen. Ich denke aber mal, dass es dazu unterschiedliche Ansichten gibt.

Das ist ganz normal und sollte auch so sein. Das ist halt nur meine Meinung, die ich so auch vertrete. Auch beim FCK gibt es solche Momente und Verhaltensweisen von "Fans", auf die ich keinen Bock mehr hatte.

Kommen wir von deiner Meinung zu deiner Statistik. Da muss man wirklich sagen, dass sich dein Fokus da sehr verschoben hat.

Das ist absolut richtig. Es waren genau drei Fußballspiele, die live im Stadion verfolgt wurden. Neben den erwähnten Spielen in Hannover, Meppen und Groningen war fußballmäßig nichts los bei mir. Die Nähe zu Bremerhaven hat diesmal zu wesentlich mehr Spielen beim Eishockey geführt. Doch auch da waren es nicht nur die Profis, sondern auch viele Spiele im Nachwuchsbereich (U 20) und des Stammvereins standen im Kalender. Zwischen zwei Diensten konnte ich dann mal ganz entspannt nach Fischtown düsen. Ich habe das mal unten zusammengefasst. Herausragend waren da sicherlich die Spiele in der Champions Hockey League, die möglicherweise einzigartig für Bremerhaven waren.

Inklusive des großen Highlights in Prag.

Ja, genau. Endlich Europapokal auswärts. Die Tour nach Prag war Weltklasse, da kann man kein anderes Wort für finden. Neben Prag hatte ich aber auch meine Eishockeypremieren in Mannheim, Wolfsburg und am Hannoveraner Pferdeturm. Da meine Freundin auch sehr stark dem Eishockey verbunden ist, werden da sicherlich auch in Zukunft mehrere Touren möglich sein, sodass vielleicht auch der Eishockeypart in diesem Blog einen größeren Raum einnehmen könnte.

Du hast schon die Eishockeytouren angeschnitten. Wird es denn auch weiterhin Fußballabenteuer geben?

Das beantworte ich mit einem ganz klaren JA! Der FCK hat durch den Aufstieg wieder einige Ziele mehr im Norden. Der VfB Oldenburg versucht das Marschwegstadion für die dritte Liga auf Vordermann zu bringen. Da war ich vor zig Jahren einmal zur Niedersachsenliga West. Da kann man sich mal wieder sehen lassen. Und als Ausweichort ist das Niedersachsenstadion benannt worden. Ich denke mal, dass man dort auch kurzentschlossen eine Karte ergattern kann. Und der Rest wird sich zeigen. Die Vergangenheit hielt auch immer wieder Überraschungen bereit.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Weiterhin eine gute Besserung.

Vielen Dank und kein Problem. Ich war ja eh zu Hause und hatte nichts vor...


13 x DEL (BHV, MA, WOB)

4 x CHL (BHV, PRG)

1 x Oberliga (Hannover Indians)

4 x Verbandsliga (REV Bremerhaven)

1 x Landesliga (REV Bremerhaven)

3 x Fischtown Ladies

4 x DNL (REV Bremerhaven U 20)

Dienstag, 26. April 2022

Groningen

Ich weiß nicht so recht, was ich schreiben soll. Groningen stand eigentlich früher als Reiseziel ziemlich weit oben, wurde aber immer wieder verschoben. Nun war es soweit. Katsche war zu einer Hochzeit in Papenburg und fragte an, ob Junior und ich Lust hätten, nach Groningen zu fahren. Ich war 24 bei meinem ersten Auslandsground, Junior gerade einmal 10. Er hatte Bock drauf, also los.

Von der Stadt haben wir uns nichts angeschaut, sondern sind lediglich zweimal rund um das Stadion gewandert, welches von außen aber nicht zu erkennen ist. Nur die Flutlichter an der Längsseiten ließen erahnen, was sich hinter Supermarkt, Sushibar und allem anderen verbirgt.




Die Sonne schien, die Pommes schmeckten. Es stand also einem gelungenen Fußballtag nichts im Wege. Naja, außer der Darbietung vom FC Groningen und Heracles Almelo. Ich nehme es vorweg: man bekam wieder Lust auf den Fußball in Deutschland. So richtig vom Hocker gehauen hat es uns nicht wirklich. Und die Bratwurst in Deutschland schmeckt auch besser als Gehacktbal und Frikandel.



Das Stadion selbst ist europäischer Durchschnitt und könnte genauso gut in anderen Städten stehen. Wie ich es aber von anderen Neubauten kenne, waren die Wege sehr gut durchdacht. Allein die Tatsache, dass Catering und Toiletten nur im Umlauf des Unterrangs sind (dafür mit Blick aufs Spielfeld), war für uns Oberrangsitzer etwas nervig.

Das Spiel endete mit 0:1, möglichweise wäre auch ein 0:0 oder 1:1 verdienter. Wie geschrieben, war nicht gerade Fußball der Extraklasse. Leider fühlte ich mich darin bestätigt, warum ich zuletzt immer zum Eishockey gegangen bin und nicht zum Fußball. Dazu werde ich aber bei geeigneter Zeit ein paar Worte verlieren, heute steht Fußball in Groningen im Mittelpunkt.


Nach dem Spiel kamen wir recht gut weg, da gefühlt eine Hundertschaft an Verkehrsordnern für einen gleichmäßigen Abfluss der Fahrzeuge sorgte. Der öffentliche Parkplatz in Stadionnähe kostete uns 9 Euro, das war in Ordnung, die Preise im Stadionparkhaus kenne ich aber nicht.

Es war insgesamt nicht so schlecht. Groningen ist generell recht gut erreichbar von Cuxhaven aus, sodass man vielleicht wirklich mindestens einmal hinfahren könnte, um etwas mehr zu sehen.

Freitag, 8. Oktober 2021

Europapokal auswärts!

"Fahr nach Prag", haben sie gesagt. "Das könnte lustig werden", haben sie gesagt. Und sie sollten Recht behalten.

Katsche lebt seit vielen Jahren das Motto "Europapokal auswärts". Auch ich wollte dieses Feeling endlich mal erleben, einmal seinem Verein durch Europa nachreisen und auswärts unterstützen. Da kann der herzblütige FCK-Fan und 96-Sympath jedoch nur leise in sich hineinweinen. Umso schöner, dass sich die Fischtown Pinguins für die CHL qualifiziert hatten. Von den ersten vier Spielen waren leider nur die Heimspiele gegen Turku und Växjö möglich, da die Coronaregeln eine Gruppenreise nach Skandinavien nicht möglich machten. 

Nun aber Prag zum Spiel bei Sparta. Die "Jungs von der Weser" hatten eine Gruppenreise mit den beiden Mannschaftsbussen organisiert. Mittwoch früh morgens um 06:00 Uhr los nach Prag und nach dem Spiel noch eine Nacht im Hotel. Hört sich gut an, macht man mit. Es war ein richtig bunt gewürfelter Haufen, der sich da im Bus zusammengefunden hat. Aber die einzelnen unterschiedlichsten Charaktere sorgten auf Hin- und Rückfahrt für so wahnsinnig lustige Momente, dass man vom Lachen Kopfschmerzen bekam.

Die Fahrt war (natürlich auch wegen der Pausen) sehr lang und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir unser Hotel erreicht hatten. Auch die erfrischende Dusche mit leider nur kalten Wasser machte den Körper nicht fit für das Spiel. Doch je näher wir der Arena kamen, umso größer wurden Freude und Stimmung. Zuerst hatte ich mich ein wenig geärgert, dass das Spiel nicht in der neuen O2-Arena stattfand, sondern in der betagten Tipsport-Arena. Aber Alter, was hat die Halle für einen nostalgischen Charme. Als ob die Zeit stehen geblieben ist. Etwas Oldschool, etwas Historie, eine Aura, die die Halle umgibt. Wahnsinn! Das war dann schon geiler als so eine neue Multifunktionsarena. Man kommt aus dem Schwärmen schon fast nicht mehr heraus. Und dann noch das günstige Bier, dass gut runterging, und die zwar bullig aussehenden Ordner, die aber so mega entspannt waren. Wir konnten uns in der kompletten Arena frei bewegen. Das war die perfekte Mischung für einen guten Hockeyabend.

Die Stimmung im Block war gigantisch. Auch die Qualitätsfans waren da, obwohl man bei Anreise eine geschlossene und ausfallfreie Ankunft nicht erwartet hätte. Insgesamt sollen es so ca. 800 bis 900 Fischtown-Anhänger gewesen, die mal eben innerhalb der Woche nach Prag gedüst sind. Lautstark und top motiviert wurde angefeuert, gejubelt und geflucht. Sogar die Ordner und die Feuerwehrleute waren beeindruckt und haben immer wieder mal Videos und Fotos vom Gästemob gemacht.



Mit 5:2 mussten sich unsere Jungs geschlagen gegeben. Aber der Stimmung tat das keinen Abbruch. Selbst die Siegesfeier der Sparta-Fans war eher vorbei. Anders als beim Fußball gab es keine Blocksperre. Wir sind stattdessen freiwillig geblieben und haben unser Team und auch uns selbst gefeiert. Das Ganze dauerte sogar so lange, dass die Spieler aus der Kabine noch einmal zurückkamen und mit uns weitergefeiert haben. Irgendwann musste sie schon das Licht der Halle ausknipsen, damit wir endlich rausgehen. Und sogar dort konnte man noch ein wenig mit den Spielern quatschen, bevor der Bus zurück zum Hotel oder besser gesagt zur Hotelbar fuhr.



Ein großer Kritikpunkt am Hotel: kein Futter in der Nacht! Dann halt zu Fuß, zu dritt und zu voll durch Prag marschieren. Laut Googlemaps gab es in der Nähe einen Dönerladen. Wenn uns Maps gleich vernünftig gelotst hätte, wäre er sogar noch näher gewesen. Egal, lecker war es trotzdem und es brachte einen nochmal voran.

Donnerstag morgen gab es nach dem Frühstück (und endlich heißer Dusche) die Möglichkeit, die Stadt ein wenig zu erkunden. Drei Stunden Bummel bei gutem Wetter durch die Innenstadt war schon schön. Vor 14 Jahren war ich zwar schonmal in der tschechischen Capitale. Aber wenn man doch etwas mehr Kultur mitmachen möchte, reicht die Zeit einfach nicht aus. Klasse war es trotzdem. Und nicht wenigen war das Ergebnis vom Vorabend mittlerweile recht egal, da die Stimmung einfach genial war und der Donnerstag Mittag zu einem runden Abschluss führte. Klar, die Rückfahrt zog sich laaaaaaaaaaaaaaaange hin, aber durch tolles, ähm, Bordentertainment, welches die Mitreisenden einbezog, ging es dennoch vergleichsweise schnell, bis wir um 22:30 Uhr endlich wieder die Eisarena erreicht hatten.


Das macht den Reiz von "Europapokal auswärts" aus. Man trifft zufällig irgendwelche Menschen, macht tolle Bekanntschaften, man verbringt eine geile Zeit und unterstützt seine Mannschaft. Dazu lernt man eine neue Stadt kennen. Gerne wieder!!!


Samstag, 31. Juli 2021

Satan ey

Nachdem sich letzten Samstag im Niedersachsenstadion ein Kreis schloss, konnte nun das Emslandstadion nachziehen. Vor der Pandemie hatte ich hier mein letztes FCK-Spiel gesehen. Da das neuerliche Gastspiel der Roten Teufel noch in meinen Urlaub fiel, konnte ich wieder hin. Bei der bescheidenen Wettervorhersage und der gewünschten Anwesenheit von Junior, gab es Karten für den Familienblock. Als ob ich aus dem Münsterdebakel an einem Sommerferiensamstagmittag auf der A 1 nichts gelernt hätte, wollte ich doch wieder den Trip wagen. Erstaunlicherweise aber war die Fahrt komplett flüssig. Lediglich einen Umweg musste ich kurz vor dem Ziel auf mich nehmen, da baustellenbedingt eine Straße gesperrt war. Der größte Umweg war dann aber vom Gästeparkplatz zum Einlass. Wahrscheinlich durften wir wegen Corona nicht gerade durch zur Haupttribüne gehen, sondern mussten tatsächlich einmal das Emslandstadion umrunden. Immerhin gab es dafür einen Blick auf den aktuellen Mannschaftsbus.



Der Einlass war eine einzige Katastrophe. Durch die erforderlichen Negativ-Tests oder Impfnachweise und Kontaktnachverfolgungen staute es sich enorm. Dass man dabei auch noch eng beisammensteht? Wohl nicht bedacht. Da muss nachgebessert werden. Schön waren auch die Kommentare, warum das so lange dauert und man nicht einfach die Leute reinlässt. Ganz einfach: weil die Ordner das gewissenhaft machen, damit wir auch in Zukunft weiterhin ins Stadion können! Unbezahlbar, wenn genau die Meckerleute keinen Ausweis vorzeigen können und damit für weitere Verzögerungen sorgen.

Noch schlimmer waren die Kommentare meines Sitznachbarn. Ich schätze ihn so auf 20 Jahre maximal. Er sieht meine rote FCK-Jacke und bewundert meinen Mut, in den Gästefarben im Familienbock zu sitzen. Während des Spiels wurde es einfach nicht besser. Jede zweite Aktion wurde mit einem überzeugten "Satan" oder in der Steigerungsform "Satan ey" Hat auch überhaupt nicht genervt, Alter ey (wie man früher im N 3 des Niedersachsenstadions zu sagen pflegte) Auch das Fordern von gelben Karten und weitere geistige Höchstleistungen sollen hier nicht verschwiegen werden. Da war das Fachsimpeln mit dem Nachbarn zur anderen Seite schon sehr viel angenehmer. Zu einem FCK-Spiel in Meppen muss man eigentlich nichts mehr schreiben. Es ging mal wieder in die Hose. Im Vergleich zu den Vorjahren hatte Lautern wenigstens mal wieder Chancen, die aber so kläglich vergeben wurden. Nach dem 1:0 mit dem Halbzeitpfiff war das Spiel schon gegessen. Mein "Satan ey"-Nachbar brüllte auf Frage des Stadionsprechers die 1 Richtung Spielfeld, die folgende 0 aber eher in meine Richtung. Ich habe seinen Mut bewundert. Meiner Gelassenheit im geübten Umgang mit Rückschlägen zum Dank ließ es mich nur schulterzuckend hinnehmen. Die zweite Halbzeit war dann erneut grausam, sodass dieses eine Kacktor gereicht hat. Ich bin ja schon froh, dass es nicht wieder eine fulminate Kasperklatsche wie bei unserem letzten Besuch gab, sodass der örtliche Versicherungsvertreter oder Autohauschef keine LaOla anstimmen brauchte.




Samstag, 24. Juli 2021

Endlich! Wieder! Stadion!


581! Fünfhunderteinundachtzig! So viele verdammte Tage hat es gedauert, bis ich endlich wieder ins Stadion konnte. Das letzte Spiel war im altehrwürdigen Niedersachsenstadion, als die Roten in der zweiten Liga den VfB Stuttgart empfangen hatten. Da bot es sich an, dass auch das erste Spiel nach, okay während, der Pandemie auch dort besucht wird. Bloß war es nun die Drittklassigkeit, die Junior, Katsche und mich erwartete. Aber nicht, weil 96 alles dafür getan hatte einen fulminanten Absturz hinzulegen. Der TSV Havelse hatte tatsächlich die Relegation gepackt und ist aufgestiegen. Hatten Domme und ich im Pandemie-Palaver noch die besten Wünsche geschickt, so haben wir es ins nun nicht nehmen lassen, um die gleichen Wünsche live von der Tribüne auf das satte Grün beim Spiel gegen den 1.FC Saarbrücken zu schicken. Aufgrund der speziellen DFB-Vorgaben müssen die Aufsteiger allerdings aus dem heimischen Stadion in die große Arena umziehen. Das nimmt schon irgendwie den Charme der kleinen Vereine. Von den 15.000 zugelassenen Zuschauern war man leider weit entfernt. 2230 waren es dann. Und die hätten auch im Halveser Stadion ihren Platz gefunden. Das ist dann schon schade. Karten wurden nur für die Osttribüne verkauft, der Gästeblock durfte auch nur spärlich besetzt werden. Es wurde immerhin das Beste aus der Situation gemacht. Ohne Maske am Platz lässt es dann auch verschmerzen, in den übrigen Bereichen Maske zu tragen.

Die erste Halbzeit hatte das Feeling vom VfL Wolfsburg: Leere Arena und nur Gästefans zu hören... mit der Zeit wurden aber auch die heimischen Anhänger lauter.  Insgesamt war es ein gemütlicher Sommerkick für den neutralen Zuschauer, der wenigstens kein 0:0 ertragen musste. Es hat schon Spaß gemacht und war bestimmt nicht der letzte Besuch. Es bleibt bloß zu hoffen, dass auch bei weiteren Spielen in den Stadien der Ligen Zuschauern zugelassen sind. Hoffen wir das Beste...



 

 

Dienstag, 22. Juni 2021

10 km Hölle

Am Sonntag war es wieder soweit. Der Cuxhaven Marathon 2021 stand auf dem Programm. In Fachkreisen ist dieser Termin auch als "Heute bekommt jeder eine Medaille"-Tag bekannt. Captain Future hatte wieder dazu aufgerufen, durch die Teilnahme etwas für den guten Zweck zu tun. Dieses Jahr wurden Spenden für die örtliche DLRG gesammelt. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, schaut sich am besten die Veröffentlichungen vom Captain an.

Auch ich wollte mich nicht lumpen lassen und auch wieder am Lauf teilnehmen. Nachdem ich sonst immer die 5km bzw. dann die 6km-Runde gelaufen bin, habe ich mal großspurig angekündigt, dass ich die 10 Kilometer auch mal laufen werde, damit ich in den Genuss der gesamten Strecke kommen kann, also bis zum Strandhaus Döse und zurück statt immer in der Bucht schon umdrehen zu müssen. Viele Kollegen hatten sich auch für diese Strecke gemeldet. Bei jeder Hochzeit gibt es
Trauzeugen, die im entscheidenden Moment einschreiten können, um das drohende Unheil zu verhindern. WO WART IHR???? Wo wart ihr, als ich mich im Anflug einer gnadenlosen Selbstüberschätzung für die 10 Kilometer angemeldet habe? Puh, da musste ich nun also durch. Das Training ging auch recht gut an, erste Fortschritte wurden erzielt, der vorsorglich angeforderte Rettungshelikopter konnte beidrehen. Doch dann schlug Corona wieder zu und der Lauf wurde vom 11.04. auf den 20.06. verschoben. Gut, dann konnte ich mein Training ja auch verschieben.

Kennt ihr das Gefühl, dass Weihnachten immer so plötzlich vor der Tür steht? So ging es mir mit dem Lauf. Auf einmal war es nur noch eine Woche und mein Training war gleich null, dafür die Pandemieplauze voll im Saft. Okay, die sechs Kilometer bin ich immer aus der kalten Hose gelaufen, den Rest werden die Zuschauer schon irgendwie für mich erledigen. Schade bloß, dass unser Start erst um 17:00 Uhr (aufgeteilt in vier Startblöcke) erfolgen sollte und die Erwartung auf enorme Zuschauermassen, die voyeuristisch veranlagt das Debakel auf der Strecke gebannt verfolgen werden, war in etwa gleich hoch wie mein Trainingslevel. Aber eine Spitzenleistung war sowieso nicht zu erwarten. Der Spaß und der gute Zweck standen eh im Vordergrund. Aber was war mit meiner Motivation? Gespannt schaute ich in den Wetterbericht, Jubelschreie durchbrachen die Stille, als ich von schweren Gewittern las. Danke, lieber Wettergott, danke für die Rettung. So zumindest die Hoffnung am Freitag...

Es wurde Sonntag, der Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft vom Vorabend gegen Portugal lag mir noch in den Knochen. Die Sonne lächelte mich wach, ich lächelte zurück. Verhalten zwar, aber ich lachte die Sonne aus wegen der erwarteten Gewitterschauer. Ein Blick in den aktualisierten Wetterbericht ließ mich in einer Schockstarre zurück. Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Echt jetzt? Wie konnte ich aus der Nummer wieder herauskommen? Vier Stunden vor dem Start fuhr ich in die Stadt um schonmal Wettkampfatmosphäre zu schnuppern und meine Startunterlagen abzuholen. Überall traf ich irgendwelche Bekannten. "Na, warum läufst du nicht?" waren die meisten Begrüßungen. Unbezahlbar waren die Gesichter der Leute, als ich wedelnd meine Startnummer hervorholte. Allein dafür hat sich das Anmelden schon gelohnt. Doch das Kernproblem blieb bestehen: die Motivation.

Viele Szenarien gingen mir durch den Kopf: der plötzliche Anruf aus der Familie? eine vorgetäuschte Zerrung? Oder sollte ich gar mit Absicht unmittelbar nach dem Start gegen die erste Laterne laufen? Da hätten wenigstens die Zuschauer was zu lachen und ich hätte genügend Zeugen, dass ich einfach nicht weiterlaufen kann. Doch eigentlich hatte ich mich ja auch angemeldet, um mir selbst und einigen anderen Leuten etwas zu beweisen. Und der Captain hat mir ein Bier am Deichübergang am Strandhaus versprochen. Das waren doch genügend Gründe, um mitzulaufen.


So stand ich dann im Startbereich. Um mich herum top motivierte Helfer, die trotz der ganzen Vorgaben auch jetzt vor dem späten Start noch gut gelaunt waren, und Sportler, denen ich es abnehme Läufer zu sein und nicht wie ich ein Körperdebakel gefangen in einem Laufshirt. Dann der Start, eine jubelnde Menge, ein erster Schritt, ein erstes Ziehen im Rücken. Verdammt, wäre ich mal besser vorbereitet und leichter gewesen. Aber was soll´s, der Entschluss den Lauf durchzuziehen, stand fest. In einem gemütlichen Tempo ging los, die Strecke entlang bis ich endlich am Strandhaus Döse ankam. Unser Captain sorgt sich um seine Crew. Da stand er tatsächlich mit einer Dose Pils in der Hand und wartete auf mich. Ein wenig neidisch schauten mich die anderen Läufer in der Nähe schon an. Eine sehr geile Aktion, danke nochmal :-)

Mit neuer Energie ging es weiter. Klar, zwischendurch musste ich mal etwas gehen, dafür war mein Fitnesszustand einfach zu schlecht, um bei dem Wetter den Lauf eiskalt durchzuziehen. Aber ich habe es getan. Zwischendurch kam noch unser Oberbürgermeister entgegen geradelt und bot mir ein Wasser an. Ein sehr feiner Zug von ihm, aber wenn man ein Bier hatte, geht man nicht zum Wasser zurück ;-)


Nach einer schier endlosen Zeit bin ich dann noch ins Ziel gekommen bei einer Zeit, die ich aufgrund des fehlenden Trainings angepeilt hatte. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei den Kollegen für die Überstunden entschuldigen. Wie gesagt, es ja ging nicht darum eine Jahresbestzeit zu erlangen, sondern um Spaß zu haben. Und dieses Ziel wurde definitiv erreicht. Auch bei der After-Run-Party im Strandhaus Döse, bei der zwar die Beine schmerzten aber der Stolz schon überwog.


Und wer weiß? Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder die 10km-Distanz. Ich hoffe darauf, dass die Veranstaltung dann wieder wie früher mit einem Volksfest-Charakter durchgeführt werden kann.