Dienstag, 22. Juni 2021

10 km Hölle

Am Sonntag war es wieder soweit. Der Cuxhaven Marathon 2021 stand auf dem Programm. In Fachkreisen ist dieser Termin auch als "Heute bekommt jeder eine Medaille"-Tag bekannt. Captain Future hatte wieder dazu aufgerufen, durch die Teilnahme etwas für den guten Zweck zu tun. Dieses Jahr wurden Spenden für die örtliche DLRG gesammelt. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, schaut sich am besten die Veröffentlichungen vom Captain an.

Auch ich wollte mich nicht lumpen lassen und auch wieder am Lauf teilnehmen. Nachdem ich sonst immer die 5km bzw. dann die 6km-Runde gelaufen bin, habe ich mal großspurig angekündigt, dass ich die 10 Kilometer auch mal laufen werde, damit ich in den Genuss der gesamten Strecke kommen kann, also bis zum Strandhaus Döse und zurück statt immer in der Bucht schon umdrehen zu müssen. Viele Kollegen hatten sich auch für diese Strecke gemeldet. Bei jeder Hochzeit gibt es
Trauzeugen, die im entscheidenden Moment einschreiten können, um das drohende Unheil zu verhindern. WO WART IHR???? Wo wart ihr, als ich mich im Anflug einer gnadenlosen Selbstüberschätzung für die 10 Kilometer angemeldet habe? Puh, da musste ich nun also durch. Das Training ging auch recht gut an, erste Fortschritte wurden erzielt, der vorsorglich angeforderte Rettungshelikopter konnte beidrehen. Doch dann schlug Corona wieder zu und der Lauf wurde vom 11.04. auf den 20.06. verschoben. Gut, dann konnte ich mein Training ja auch verschieben.

Kennt ihr das Gefühl, dass Weihnachten immer so plötzlich vor der Tür steht? So ging es mir mit dem Lauf. Auf einmal war es nur noch eine Woche und mein Training war gleich null, dafür die Pandemieplauze voll im Saft. Okay, die sechs Kilometer bin ich immer aus der kalten Hose gelaufen, den Rest werden die Zuschauer schon irgendwie für mich erledigen. Schade bloß, dass unser Start erst um 17:00 Uhr (aufgeteilt in vier Startblöcke) erfolgen sollte und die Erwartung auf enorme Zuschauermassen, die voyeuristisch veranlagt das Debakel auf der Strecke gebannt verfolgen werden, war in etwa gleich hoch wie mein Trainingslevel. Aber eine Spitzenleistung war sowieso nicht zu erwarten. Der Spaß und der gute Zweck standen eh im Vordergrund. Aber was war mit meiner Motivation? Gespannt schaute ich in den Wetterbericht, Jubelschreie durchbrachen die Stille, als ich von schweren Gewittern las. Danke, lieber Wettergott, danke für die Rettung. So zumindest die Hoffnung am Freitag...

Es wurde Sonntag, der Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft vom Vorabend gegen Portugal lag mir noch in den Knochen. Die Sonne lächelte mich wach, ich lächelte zurück. Verhalten zwar, aber ich lachte die Sonne aus wegen der erwarteten Gewitterschauer. Ein Blick in den aktualisierten Wetterbericht ließ mich in einer Schockstarre zurück. Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Echt jetzt? Wie konnte ich aus der Nummer wieder herauskommen? Vier Stunden vor dem Start fuhr ich in die Stadt um schonmal Wettkampfatmosphäre zu schnuppern und meine Startunterlagen abzuholen. Überall traf ich irgendwelche Bekannten. "Na, warum läufst du nicht?" waren die meisten Begrüßungen. Unbezahlbar waren die Gesichter der Leute, als ich wedelnd meine Startnummer hervorholte. Allein dafür hat sich das Anmelden schon gelohnt. Doch das Kernproblem blieb bestehen: die Motivation.

Viele Szenarien gingen mir durch den Kopf: der plötzliche Anruf aus der Familie? eine vorgetäuschte Zerrung? Oder sollte ich gar mit Absicht unmittelbar nach dem Start gegen die erste Laterne laufen? Da hätten wenigstens die Zuschauer was zu lachen und ich hätte genügend Zeugen, dass ich einfach nicht weiterlaufen kann. Doch eigentlich hatte ich mich ja auch angemeldet, um mir selbst und einigen anderen Leuten etwas zu beweisen. Und der Captain hat mir ein Bier am Deichübergang am Strandhaus versprochen. Das waren doch genügend Gründe, um mitzulaufen.


So stand ich dann im Startbereich. Um mich herum top motivierte Helfer, die trotz der ganzen Vorgaben auch jetzt vor dem späten Start noch gut gelaunt waren, und Sportler, denen ich es abnehme Läufer zu sein und nicht wie ich ein Körperdebakel gefangen in einem Laufshirt. Dann der Start, eine jubelnde Menge, ein erster Schritt, ein erstes Ziehen im Rücken. Verdammt, wäre ich mal besser vorbereitet und leichter gewesen. Aber was soll´s, der Entschluss den Lauf durchzuziehen, stand fest. In einem gemütlichen Tempo ging los, die Strecke entlang bis ich endlich am Strandhaus Döse ankam. Unser Captain sorgt sich um seine Crew. Da stand er tatsächlich mit einer Dose Pils in der Hand und wartete auf mich. Ein wenig neidisch schauten mich die anderen Läufer in der Nähe schon an. Eine sehr geile Aktion, danke nochmal :-)

Mit neuer Energie ging es weiter. Klar, zwischendurch musste ich mal etwas gehen, dafür war mein Fitnesszustand einfach zu schlecht, um bei dem Wetter den Lauf eiskalt durchzuziehen. Aber ich habe es getan. Zwischendurch kam noch unser Oberbürgermeister entgegen geradelt und bot mir ein Wasser an. Ein sehr feiner Zug von ihm, aber wenn man ein Bier hatte, geht man nicht zum Wasser zurück ;-)


Nach einer schier endlosen Zeit bin ich dann noch ins Ziel gekommen bei einer Zeit, die ich aufgrund des fehlenden Trainings angepeilt hatte. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei den Kollegen für die Überstunden entschuldigen. Wie gesagt, es ja ging nicht darum eine Jahresbestzeit zu erlangen, sondern um Spaß zu haben. Und dieses Ziel wurde definitiv erreicht. Auch bei der After-Run-Party im Strandhaus Döse, bei der zwar die Beine schmerzten aber der Stolz schon überwog.


Und wer weiß? Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder die 10km-Distanz. Ich hoffe darauf, dass die Veranstaltung dann wieder wie früher mit einem Volksfest-Charakter durchgeführt werden kann.


Sonntag, 23. Mai 2021

Pandemie-Palaver

 


Ein entspannter Sonntag-Nachmittag in Hamburch. Wir treffen uns heute mit Tobse und seinem Kumpel Domme zum üblichen Saisonabschluss.

Moin Tobse, moin Domme. Gestern hat sich nach dem FC Schalke auch der SV Werder aus der Bundesliga verabschiedet. Zwei vermeintliche Schwergewichte sind abgestiegen, die Bayern wurden wieder Meister. Wie ist euer Fazit zur abgelaufenen Saison?

Tobse: Gehen Sie davon aus, dass in einer Saison aus Geisterspielen sich mein Interesse an der Bundesliga nicht wirklich in den höchsten Sphären befunden hat. Tatsächlich habe ich nicht viele Spiele gesehen. Allerdings war der Schalker Abstieg lange absehbar und der Bremer Absturz eine Konsequenz der letzten Jahre.

Domme: Das stimmt. Ansonsten was den oberen Tabellenbereich betrifft, Business as usual. Bayern Meister, Leipzig Zweiter. Ein wenig überrascht Wolfsburg in der CL, war auch absehbar in der Saison. Erfreulich ist, dass Mannschaften wie Freiburg und Bielefeld mit ihren begrenzten Mitteln die Klasse gehalten haben.

Tobse: Da hast du meine vollste Zustimmung


Domme, deine Roten aus der niedersächsischen Capitale stehen jenseits von Gut und Böse in der 2. Liga. Wie hast du als 96er die Saison im Unterhaus erlebt?

Domme: Meinst du die 2. Liga allgemein? Dann würde ich dir einen Roman in deinen Notizblock husten. Oder möchtest du nur mein Fazit zur Saison von 96 haben?

Das wäre wahrscheinlich besser und kürzer und für den Leser interessanter.

Domme: Alles in Allem ist es eine enttäuschende Saison gewesen. Das Ergebnis aus einer Fehlplanung bei der Kaderzusammenstellung, der Nichtbereitschaft Geldmittel zur Verfügung zu stellen und der üblichen internen Querelen, die auch diese Saison nicht ausgeblieben sind. Schlussendlich muss man sagen, dass der Tabellenplatz, auf dem die Roten gelandet sind, verdient ist. Der Trainer war nicht in der Lage aus guten Einzelspielern eine Mannschaft zu formen, die auch dadurch viel zu oft nicht in der Lage war, ihr Potenzial abzurufen und daher weitestgehend enttäuschte. Wir brauchen einen ehrlichen Neuanfang.

Tobse: Ja, das kann ich verstehen, dass du enttäuscht bist. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die 2. Liga mal so gar nicht verfolgt habe. Die ging nahezu gänzlich an mir vorbei. Auf welchem Platz ist denn Wacker Burghausen gelandet?

Domme: Gelächter.


Tobse, dafür dürftest du die dritte Liga intensiver verfolgt haben.

Das ist schon richtig. Zumindest anfangs habe ich noch alles vom FCK gesehen, was aber nicht wirklich viel war. Schlecht angefangen, stark nachgelassen und dann doch irgendwie die Kurve noch bekommen. Dass man sich irgendwann mal über den Klassenerhalt in der Dritten Liga freut, hätte ich vor einigen Jahren nicht erwartet. Anders als Domme hoffe ich aber nicht auf einen Neuanfang, weil die bislang immer nichts gebracht haben. Die Mannschaft hat ja gezeigt, was sie kann. Allerdings waren wieder viele Leihspieler im Kader, sodass wieder wild durchgewirbelt werden wird. Die Saison war so grausam, dass ich am Ende nicht mehr zugeschaut habe, damit der FCK mal gewinnt. Die Taktik ist aufgegangen... *schmunzelt*

Domme: Ich freue mich sehr über den Klassenerhalt des Traditionsvereins FCK, sowie über die beiden Aufsteiger Dresden und Rostock, die die zweite Liga bereichern werden. Ein weinendes Auge verursachen hingegen die beiden Nordabsteiger aus Meppen und Lübeck.


Dafür steht aber der TSV Havelse in den Relegationsspielen zum Aufstieg in die Dritte Liga.

Tobse: Hoffentlich steigen die auf, dann kann ich wieder zu einem interessanten Verein reisen.

Domme: Und dadurch kommt unser neuer Trainer erst später zum Verein. Selbstverständlich drücke ich ihnen die Daumen und würde mich freuen, wenn ein weiterer Verein aus der Region Hannover in den Profifussball kommt.


Da haben wir schonmal einen Ausblick auf die neue Saison. Was erhofft ihr euch aus Fansicht?

Tobse und Domme im Chor: endlich wieder Stadion!

Domme: Auf 96 bezogen wünsche ich mir eine Saison ohne Querelen und Abstiegskampf.

Tobse: So geht es mir mit dem FCK auch. Und vor allem wieder reisen! Nachdem der Kurzurlaub an der Lübecker Bucht wegfällt, bleiben aber immer noch Türkgücü im Olympiastadion, wenn es klappt, oder auch das Grünwalder. Auch international steht ja noch was an. Da lassen wir uns mal überraschen, was Katsche und ich dann mal in Angriff nehmen können. Hauptsache, es geht mal wieder los.

Domme: Schweden ist sehr zu empfehlen, besonders die Stockholm-Derbys.

Tobse: Mal schauen, was so machbar ist und ab wann wieder Zuschauer zugelassen werden. Schon traurig, dass wir in diesem Interview nicht über Besuche im Stadion reden konnte, weil es sie einfach nicht gab. Aber die Chance auf Zuschauer ist wahrscheinlich höher als die Aufstiegschancen des HSV...

Domme: HSV? Same procedure as every year...

Ich danke euch beiden, dass ihr die Zeit genommen habt. Prost!

Samstag, 23. Mai 2020

Einbecker-Gemecker mit Tobse



Moin Tobse, heute treffen wir dich zum Pokalfinale bei Katsche. Naja, oder auch nicht. Dank Corona ist die Saison gerade erst wieder mit Geisterspielen angelaufen, die Pokalhalbfinals stehen noch aus und die 3. Liga wartet noch eine Woche. Schon blöd, oder?

Gehen Sie davon aus, dass blöd noch schmeichelhaft ausgedrückt ist. Ich könnte kotzen. Jetzt sitzt du hier und schaust dir Spiele an, bei denen noch weniger los ist als bei einem Trainingsspiel im Sommertrainingslager. Nur beim VfL Wolfsburg scheint alles beim Alten zu sein.

Anfangs hat man den Virus noch belächelt, dann hat er für einen ziemlichen Zusammenbruch in den europäischen Ligen gesorgt. Mancherorts sind die Ligen abgebrochen worden. Die richige Entscheidung?

Das liegt Gott sei Dank nicht in meiner Hand, darüber ein Urteil zu fällen. Besonders ärgerlich ist es natürlich für den Liverpool FC, der so eine sackstarke Saison in der Liga spielt und dann möglicherweise vor einem Scherbenhaufen steht. Für sie bleibt es zu wünschen, dass der Titel im Fall eines Abbruchs anerkannt wird. Die Auswirkungen auf die nächste Saison sind da schon interessanter. Wonach richtet sich Auf- und Abstieg? Werden die Ligen vergrößert? Was ist mit den Vereinen, die zum Beispiel noch die Chance auf den Aufstieg haben? Es ist einfach nur furchtbar. Egal, welche Entscheidung getroffen wird, irgendwelche Vereine werden meckern und sich (zurecht) aufregen.

Und was ist mit deinem FCK?

Da kann das genauso passieren. Okay, die Aufstiegschance ist zugegeben gleich null. Ich hoffe bloß, dass sich nach unten nichts mehr tut. Zur Saison ansich bereits ein Fazit zu ziehen, ist derzeit natürlich nicht angebracht. Dennoch wird aus einer beschissenen Saison auch keine goldene Spielzeit mehr, egal was sie jetzt noch anstellen.

Ein persönliches Fazit kann aber schon erfolgen, nicht wahr? Schließich werden die Stadionbesuche diese Saison nicht mehr möglich sein.

Das ist so gesehen natürlich richtig. Und auch da kann man nur sagen, dass es eigentlich eine beschissene Saison war. Da verkackst du unnötig in Münster und gehst mit 6:1 beim SV Meppen unter. Was soll man da noch sagen? Lediglich das Bruderduell zwischen Lautern und Bayern (II) hätte da noch etwas retten können. Doch das Hinspiel Mitte Dezember m Grünwalder war nicht realisierbar und das Rückspiel auf dem Betze fiel letzte Woche den Einschränkungen zum Opfer. Einziger Lichtblick war da schon der Heimat-Traditions-Trip in die niedersächsische Capitale zur Weihnachtsmarktzeit.


Und zum krönenden Abschluss noch die Mailand-Absage.

Leck mich a.A. Alter, was habe ich da geflucht. Endlich hatten Katsche und ich uns entschieden, Nägel mit Köpfen zu machen. Der große Zlatan, Milan gegen Roma, San Siro. Besser geht einfach nicht. Tja, und dann macht Corona alles kaputt. Hotel und Flug gebucht, Eintrittskarte geordert und Urlaub eingetragen. Voller Vorfreude planst du, was du alles sehen willst. Die ersten Berichte und Meldungen aus Europa kommen rein, Norditalien sei ein Hotspot. Trotzdem hoffst du noch, dass die Tour stattfinden kann. Ich könnte so furchtbar kotzen. Der Abriss vom San Siro wurde mittlerweile genehmigt, die Zeit drängt.

Kannst du denn einen Ausblick auf die nächste Saison geben?

Das ist im Moment überhaupt nicht möglich. Lediglich die Mailandtour soll nachgeholt werden. Den Rest werde ich dann sehen. Ein Super-GAU schwebt auch noch über den Planungen: Es gab erste vorsichtige Überlegungen, dass die dritte Liga aufgrund der besonderen Zeiten aufgestockt werden könnte und dann nächsteSaison in Nord- und Südstaffel aufgeteilt wird. Sollte das der Fall werden, wäre das für einen norddeutschen Lautrer mega kacke. Da muss ich dann echt schauen, was sich dann noch machen lässt. Das einzig Sichere ist: ich werde chinesisches Essen boykottieren! Und das wird bestimmt länger halten als der Pizzaverzicht nach dem WM-Halbfinale 2006!

Sonntag, 22. Dezember 2019

Driving home for football

Das letzte Heimspiel von 96 vor der Winterpause stand an. Endlich hatte ich mal wieder die Zeit gefunden, eine gute alte Tradition aufleben zu lassen: Erst ins Niedersachsenstadion und anschließend auf den Weihnachtsmarkt. Leider war die Zeit knapp, da erst eine Woche zuvor der Gedanke wirklich reifte und konkreter wurde. Mein Kumpel B. (auch hier lässt die EU-DSGVO grüßen) aus alten FOS-Tagen war dabei, für die übrigen Mitglieder unserer Chaotentruppe von damals war es leider zu kurzfristig, da andere Termine dann schon anstanden. Egal, driving home for football geht immer


Zum Jahresausklang der 2. Liga empfingen die Roten den VfB Stuttgart. 13 Uhr ist echt früh für so eine Tour, aber immerhin konnte man dann schon früher durch sein mit dem Thema. Rein ins Stadion und ab an den Tresen war dann auch das Motto. Die bisherigen Darbietungen von 96 ließen nicht viel Hoffnung, sodass das Spiel schon prophylaktisch schön getrunken wurde.



Und das Spiel war echt gut, so richtig gut. Lag das an dem Bier? Lag es an dem nächsten Bier? Wir waren schon positiv überrascht. Auch der Herr auf dem Sitz vor mir ging ordentlich mit, feuerte an und ärgerte sich bei vergebenen Chancen. Als dann der Führungstreffer für die Roten fiel, sprang er auf, jubelte und klatschte mit allen ab. Umso verblüffender, WEIL es unser Ministerpräsident war, der da jubelte. Und zwar bei uns gemeinen Pöbel auf der Westtribüne und nicht in den Schnittchenblöcken auf der gegenüberliegenden Stadionseite. Leider trübte unser gemeinsames Foto in der Halbzeitpause, dass direkt nach 12 Sekunden der Ausgleich fiel. Und nach dem 1:2 ahnten wir nichts Gutes mehr. Aber wow, 96 hat doch tatsächlich ebenfalls ausgleichen können, sodass es am Ende mit einem zufriedenen (wenn auch zu wenigen) 2:2 in die Winterpause ging.


Anschließend hatten B. und ich sowas von Bock aufs Frühlingsfest. Aber leider war es ein warmer Dezembertag und überhaupt kein Glühweinwetter. Wobei uns das eigentlich erst recht in die Karten spielte. So konnten wir gemütlich beim Bier bleiben. Am nächste Morgen würde es der Körper einem danken. Besonders nach dem frühen Start in den Tag war der letzte Zug wirklich keine Option, sodass ich ausnahmsweise recht früh aus der Niedersachsens Zentrum wieder im beschaulichen U-City eintraf.


Mittwoch, 16. Oktober 2019

Rückblick (2) - 50 mal FCK




Hurghada, 35 Grad und Bier am Pool. Da ich im Sommerinterview den Pool als nächsten Interviewort vorgeschlagen habe, suche ich Tobse im Urlaub auf, um ein wenig mit ihm zu plaudern.
Salam aleikum, Tobse. Vor einigen Wochen hattest du dein 50. FCK-Spiel live im Stadion. Wie stolz bist du darauf?

Gehen Sie davon aus, dass 50 zwar ein große Zahl ist, 50 Spiele aber nicht unbedingt eine großartige Leistung darstellen. Schau dir mal zum Beispiel die Frankfurt-Allesfahrer an, die auch dank der aufgeblähten Euro-League diese Zahl schon innerhalb einer Saison schaffen. Da kann man ich mich nicht hinstellen und sagen "was für ein geiler Typ". Es hätten durchaus mehr Spiele sein können. Bloß fehlte früher das Geld und später dann die Zeit. Warum muss ich im Urlaub während der Länderspielpause eigentlich mit dir über Fußball bzw. den FCK reden?

Ich wollte ja gerne, dass das nächste Interview am Pool stattfindet und nicht bei einer Fahrradtour.

Stimmt, dafür hast du mich ja auch eingeladen. Nur über die laufende Saison möchte ich an dieser Stelle nicht reden.

Das lässt sich leider nicht ganz vermeiden, da das Spiel in Meppen ja das Jubiläum war.

Und das ist dann auch noch völlig in die Hose gegangen. Die (verdiente) 6:1-Klatsche war nicht nur das 50. Spiel sondern zugleich meine höchste Niederlage. Damit hat der SVM sogar die Bayern und 96 abgelöst, bei denen ich jeweils ein 5:1 miterleben musste.

Deine persönliche Statistik, die unten aufgelistet ist, sieht nicht sonderlich positiv aus. Woran liegt es?

Wenn ich das wüsste, wäre die Statistik besser. Klar, wenn du dreimal zum Auswärtsspiel bei den Bayern fährst, kannst du nicht drei Siege erwarten. Aber auch sonst war ich nicht immer der Glücksbringer. Bei der ersten Niederlage gegen Köln nach 26(?) Jahren war ich im Stadion. Die FCK-Siege in Hamburch habe ich konsequent gemieden, sondern war vorher und hinterher bei den Niederlagen dabei. Das ist schon wirklich grausam. Natürlich hängt es auch sicherlich damit zusammen, dass ich lediglich sechs Heimspiele gesehen habe, weil es sich immer wie eine Weltreise anfühlt, um nach Kaiserslautern zu kommen. Dass die Heimbilanz auch nur ausgeglichen ist (1S - 4U - 1N) ist aber auch leicht deprimierend.

Vom Abstiegsfinale 2006 mal ganz zu schweigen.

Oh ja, Ich war einer der 10000 Lautrer, die in die VW-Arena Wolfsburg eingefallen sind. Den Abstieg der eigenen Mannschaft live mitzuerleben ist wohl das Grausamste, was einem Fan passieren kann. Der letzte Spieltag 2012 in Hannover war da schon wesentlich entspannter, weil der letzte Tabellenplatz vorher bereits feststand. Bloß habe ich da nicht geahnt, dass es das Bundesligaspiel für eine unabsehbare Zeit sein würde.

Was waren denn stattdessen die Highlights deiner FCK-Spiele?

Da fallen mir spontan die Übergabe der Meisterschale in Hamburg im Mai 1998 sowie drei Heimspiele ein. Als 14-jähriger die glänzende Meisterschale in den Händen deiner Helden zu sehen ist mega geil. Die Karte beim fliegenden Händler an der Autobahnabfahrt kostete 100 DM. Das zahlst du heutzutage schon fast für den Drittligakick.
Das erste Heimspiel auf dem Betze 1994 gegen die Frankfurter Eintracht bleibt unvergessen. Gegen Bochum 2014 durfte ich dank Familie und Freunden als VIP dabei sein. Bei dem Trip trafen Katsche und ich sogar die Bochumer samt Trainer Neururer an der Hotelbar im Mannschaftshotel. Ein Jahr später hatte ich dann beim Gewinnspiel zwei VIP-Tickets gewonnen, sodass mein erster Heimsieg (4:0 gegen Heidenheim) besonders gefeiert werden konnte.

Wie sieht die Zukunft aus? Auf welche Spiele hast du Bock?

Ich trauere ein wenig dem Pokalfinale 2003 gegen die Bayern hinterher. Das wäre doch schön gewesen. Keine Ahnung, warum Katsche und ich uns damals nicht um eine Tour bemüht haben. Ein DFB-Pokalfinale wäre klasse. Oder wie Katsche "Europapokal auswärts" mitmachen ist auch noch ein Traum von mir. Ansonsten sind Touren mit Katsche immer klasse und der Schalker hat auch bereits seine Ambitionen hinsichtlich Betze geäußert. DEN Wunschgegner habe ich nicht. Immer wieder tun sich interessante Orte auf, an denen der FCK spielt, sodass konkret nichts gesagt werden kann. Rot-Weiß Ahlen und Rot-Weiß Essen waren zum Beispiel auch eher spontan angesteuert worden.

Tobse, ich danke dir für deine Zeit. Prost

Wie versprochen hier noch die Übersicht in chronologischer Reihenfolge:

03.04.93 Werder - FCK 1:0 (Stadionpremiere)
23.08.94 FCK - Eintracht Frankfurt 1:1
08.12.96 SV Meppen - FCK 2:1
09.05.98 HSV - FCK 1:1 (Übergabe Meisterschale)
13.11.98 Werder - FCK 0:1
01.05.99 HSV - FCK 2:0
26.02.00 HSV - FCK 2:1
28.03.04 HSV - FCK 3:2
25.09.04 Wolfsburg - FCK 2:1
19.02.05 HSV - FCK 2:1
26.11.05 Hannover - FCK 5:1
11.12.05 Bayern - FCK 2:1
11.02.06 Werder - FCK 0:2
12.03.06 HSV - FCK 3:0
13.05.06 Wolfsburg - FCK 2:2 (Abstiegsfinale)
18.09.06 Rostock - FCK 2:0
03.12.06 Braunschweig - FCK 0:1
19.01.07 RW Essen - FCK 0:0
04.02.07 Paderborn - FCK 0:1
02.04.07 FCK - Duisburg 0:3
17.12.07 Köln - FCK 2:1
02.03.08 Paderborn - FCK 0:0
31.03.08 Osnabrück - FCK 2:0
07.12.08 Duisburg - FCK 0:0
23.02.09 St.Pauli - FCK 2:0
22.03.09 RW Ahlen - FCK 0:1
05.04.09 FCK - Oberhausen 1:1
12.04.09 Osnabrück - FCK 0:2
22.03.10 Düsseldorf - FCK 0:0
02.10.10 HSV - FCK 2:1
18.12.10 Werder - FCK 1:2
22.01.11 Bayern - FCK 5:1
07.05.11 Wolfsburg - FCK 1:2
24.09.11 Wolfsburg - FCK 1:0
11.02.12 Bayern - FCK 2:0
06.05.12 Hannover - FCK 2:1 (bislang letztes BL-Spiel)
02.03.13 FCK - Bochum 0:0
06.04.14 FCK - Bochum 1:1 (VIP)
04.04.15 FCK - Heidenheim 4:0 (erster Heimsieg, VIP)
12.02.16 Paderborn- FCK 0:4
02.12.16 St.Pauli-FCK 0:0
30.01.17 Hannover - FCK 1:0
17.03.17 Bielefeld - FCK 2:0
05.04.17 Bochum - FCK 0:0
12.08.17 SV Eichede - FCK 0:4 (erste Runde DFB-Pokal)
28.10.17 Regensburg - FCK 3:1
15.12.18 SV Meppen - FCK 0:1
16.03.19 SF Lotte - FCK 0:2
03.08.19 Preußen Münster - FCK 3:2
14.09.19 SV Meppen - FCK 6:1 (50. Spiel)

Bilanz: 13 Siege - 12 Unentschieden - 25 Niederlagen, 49:70 Tore

Sonntag, 15. September 2019

Männerwochenende

Eigentlich sollte dieser Post lediglich aus zwei Worten bestehen:

ohne Worte

So war zumindest der erste Gedanke am Samstagabend.
Doch das würde den Fischtown Pinguins nicht gerecht werden. Junior und ich hatten ein Männerwochende geplant, da die Gestalter der Spielpläne uns durchaus wohlgesonnen waren.

Samstag, Meppen, 3. Liga


Der FCK war wieder im Emsland zu Gast. Es war klar, dass ich wieder mit dabei sein werde. Junior wollte mit, Katsche hatte auch Bock drauf, also ab dafür. Im Vergleich zum letzten Jahr hatten wir unsere Plätze auf der Haupttribüne etwas weiter Richtung Mittellinie gewählt, da die Sicht im Gästesitzplatz ja nicht so prickelnd war. Kostete auch nur 3 Euro mehr, also los. Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass der Gästesitzplatz hinter das Tor gezogen ist und entsprechend weniger kostet. Naja, egal. Im Vergleich zu Münster vollkommen im Zeitplan und gutgelaunt ging es ins Stadion. Auch meine rote FCK-Jacke hinderte uns nicht, vom Gästeparkplatz bis zum Heimeingang zu kommen. Alle Ordner waren auch wieder sehr entspannt. Das gefällt mir bislang an der dritten Liga noch am besten.
Soweit ist dann alles zum Positiven gesagt. Den Rest drücke ich einfach mit einem Blick auf die Anzeigetafel aus:



Ein Bild sagt wirklich mehr das tausend Worte. Ich kann noch nicht einmal so überpiepwürdig fluchen wie beim Münsterspiel. Das Spiel lief wie letzte Saison, nur dass der SVM nun seine Chancen genutzt hat und es auch hätte zweistellig werden können. Die Leistung der Männer in rot? Die war so katastrophal, dass ich einfach nichts weiter sage. Also OHNE WORTE


Sonntag, Bremerhaven, DEL


Immerhin gab es am nächsten Tag die Chance, etwas Balsam auf die geschundene Fanseele aufzutragen. Die Fischtown Pinguins spielten im ersten Heimspiel der Saison gegen die Eisbären Berlin. Die bisherige DEL-Bilanz der Pinguins gegen die Eisbären ist wirklich miserabel. Aber warum auch immer, erwischten die Pinguins so einen geilen Tag wie die Meppener am Vortag. Mit einem fulminanten 5:0 wurden die Eisbären nach Hause geschickt. Ich konnte mit den Gästefans mitfühlen, schließlich ging es mir knapp 24 Stunden vorher genau so wie ihnen. Allerdings verdienen die auch allerhöchsten Respekt, da sie durchgängig Alarm gemacht haben.


Abgesehen davon, dass wir auch schon Karten für ein weiteres Spiel haben, werden wir wohl häufiger in die Eisarena Bremerhaven fahren. Junior hatten seinen Spaß. Und selbst wenn es in die Hose geht, dann ist man Gott sei Dank schnell zu Hause und muss nicht mit einer megaschlechten Laune noch lange durch die Lande eiern.

Sonntag, 4. August 2019

zensiert

Formidable *piep* Idee mit 32 Buchstaben und einer Zahl? Richtig, SOMMERFERIENSAMSTAGMITTAG AUF DER A1. Das hatte ich nun davon, dass ich irgendwann mal in das Preußenstadion Münster wollte. Eher spontan (die endgültige Entscheidung fiel erst morgens) machten Junior und ich uns auf, um den FCK im Münsterland zu unterstützen. Einigen Bedenken zum Trotz, die aufgrund von Vorfällen in der Vorsaison vorhanden waren, fuhren wir pünktlich los. Das Navi erwartete uns gegen 12:45 Uhr am Zielort. Bis zum Anpfiff um 14:00 Uhr war also genügend Zeit, um sich noch eine Karte für einen Sitzplatzblock zu kaufen. Dank sorgfältiger Recherchen wurde ein Parkplatz in Stadionnähe ausgemacht. Der FCK-Fanbetreuer sagte am Telefon auch was von zurückgeschickten Sitzplatzkarten. Dann kann es ja losgehen. Das Wetter passte auch. 25 Grad und leicht bedeckt vorausgesagt, waren dann die letzten Punkte, die den Ausschlag Richtung Abfahrt gegeben haben. Wann würde ich sonst wieder die Möglichkeit haben, dieses altehrwürdige Rund bei passablen Wetter zu bestaunen?

Also, püntklich ging es zumindest los. Navi sagt 12:48 Uhr, alles gut. Der Verkehrsfunk meldet sich und erzählt etwas von brennendem PKW auf der A 1. Okay, mein Navi hat verstanden, 13:40 Uhr. Mh, ist immer noch genügend Zeit. Und bis ich an der Stelle bin, würde eh der Verkehr wieder halbwegs vernünftig rollen. Mit der Zeit wurde es tatsächlich weniger, auch die Ankunft wurde entsprechend nach vorne korrigiert. Tja, und dann kamen die Baustellen, die weder mein Navi noch Google kannten. Auch dem Verkehrsfunk war es keine Meldung wert. Schönen Dank auch, dass die A 1 an einem Samstagmittag in den Sommerferien zum längsten Parkplatz Norddeutschlands wird. *piep* mich doch am *piep* Wie in einer drittklassigen Talkshow aus den Neunziger wären viele Worte überpiept worden. (Passt, wir waren schließlich auch auf dem Weg zur Dritten Liga). Außerdem hatte ich ja Junior dabei, der zwar schon ein reichhaltiges Vokabular hat, gewisse Ausdrücke aber doch in der Schule und nicht an einem Sommerferiensamstagmittag auf der A 1 lernen sollte. Es wurde einfach nicht besser. Nur der sorgfältigen Vorbereitung wegen kamen wir dann doch schon fünf Minuten nach Anpfiff in den Gästeblock. Dummerweise waren sämtliche Sitzplatzkarten weg, sodass Junior notgedrungen mit in den Stehplatzblock musste. Dann hätte ich im Auto auch weiter fluchen können... Nutzte alles nichts. Immerhin hatten wir dann auch einen Bereich gefunden, an dem man etwas Platz für sich hatte. Schnell wurde aber klar, warum. Da war doch tatsächlich so ein *piep* hohes Podest aufgestellt, damit der *piep* Kameramann auch ja Aufnahmen von oben machen kann. *piep* mich doch, ihr *piep*. Dafür eier ich durch den Norden, halte meine Flüche im Stau zurück, um dann auf ein *piep* *piep**piiiiiiieeeeeeeeeeeeeeep* Podest zu glotzen? Und es gab wirklich keine Möglichkeit mehr, sich besser hinzustellen. Der linke Stehplatzbock war brechend voll, sodass wir damit leben mussten, einen Teil des Spielfeldes durch das Metallgestänge zu erahnen. Immerhin waren die beiden Tore von unserem Platz aus zu sehen.




Das Preußenstadion ist echt alt. Und es ist wirklich noch so wie die Stadien früher. Zwei Kurven, eine Haupttribüne und eine Gegengerade. Ich finde es cool. Aber wie gesagt, der Quatsch mit dem Kamerapodest muss nicht sein. Hinter der Gegengerade gab es einen Kran, der für eine entsprechende Kameraeinstellung sorgen kann. Okay, da bei vielen Mannschaften ja wirklich nur eine Handvoll Fans mitreisen, dann reicht auch der eine Block, von dem aus man (mit Ausnahme der Lautsprechermasten) ungehindert auf das Feld schauen kann..

Das Spiel. Dieses *piep* Spiel, welches mir solche Magenschmerzen bereiten sollte. *piep* Da machst du mit dem Halbzeitpfiff die 1:0-Führung, hast in der 52. Minute einen Elfmeter, verballerst den und fängst dir im direkten Gegenzug 16 Sekunden (!) später den Ausgleich. Nicht nur, dass der Elfer verschossen wurden, nein, der FIFA-Kommentator auf der Playsi würde sagen "er hält ihn sogar fest" *piep* *piiiieeeep* Mach den *piep* Ball einfach rein und schieß nicht so eine *piep*. Willst du mich *piep*? Hätte er ihn doch einfach nur verwandelt, vieles wäre so viel angenehmer verlaufen. Aber Fußball ist nunmal kein Konjunktiv. Oder wie es ein "schlauer" Kopf der deutschen Fußballszene mal formuliert hat: "wäre, wäre, Fahrradkette" Dann explodiert der Block wieder, weil du das 2:1 machst. Du hast das Spiel im Griff, naja für zwei Minuten. Denn dann kommt schon der erneute Ausgleich. Und wenn dann auch der sonst so starke Torwart sich einen Eierfreistoß von der linken Seite selbst ins Tor legt, da bleiben dir selbst die piep-würdigen Worte weg und schweigst einfach nur noch. Es braucht auch keiner mit den Spielanteile, Statistiken oder so einem Quatsch kommen. Wenn du so verlierst ist das einfach nur *piep*


Da tröstet es dann auch nicht darüber hinweg, dass auf der Rückfahrt alles glatt ging und sich die Leute in der Gegenrichtung nur dachten "dieser *piep* Sommerferiensamstagnachmittag auf der A 1"